Warum ist Folsäure so wichtig bei Kinderwunsch und Schwangerschaft?

Wenn es darum geht schwanger zu werden oder schwanger zu sein, begegnet einem immer wieder das Thema Folsäure. Was ist eigentlich Folsäure? Was bewirkt es in meinem Körper? Was ist der Unterschied zwischen Folsäure und Folat? Und warum ist es so wichtig? Diese Fragen stellen sich nicht nur für Frauen, sondern sind ebenso relevant für den Mann. Folsäure kann einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Bei Frauen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Das Risiko für unterschiedliche Entwicklungsstörungen (z.B. niedriges Geburtsgewicht) beim Ungeborenen sinkt. 1 Auch bei vermindert fruchtbaren Männern verbessert sich die Spermienqualität, wenn sie darauf achten genügend Folsäure zu sich zu nehmen.

In Deutschland nehmen 90% der Frauen und 80% der Männer zu wenig Folsäure zu sich. Das sind vier von fünf Personen. Grundsätzlich ist es möglich, sich über die Nahrung mit ausreichend Folat zu versorgen.2 Die meisten Menschen ernähren sich jedoch nicht ausgewogen genug mit den richtigen Nahrungsmitteln, wie Obst und Gemüse, um auf den empfohlenen Wert von 300 Mikrogramm Folsäure pro Tag zu kommen.

In Ländern wie USA oder Kanada werden sogar bestimmte Grundnahrungsmittel, wie z.B Mehl mit Folsäure angereichert. Das soll dazu führen, dass die Versorgung mit Folsäure in der breiten Bevölkerung verbessert wird. Allerdings sind unsere Essgewohnheiten so individuell wie wir selbst, daher helfen solche Maßnahmen nur begrenzt. Noch dazu ist nicht klar, inwiefern es auch zu einer Überversorgung mit Folsäure kommen kann. Solche Maßnahme werden somit noch kritisch in Deutschland diskutiert. Neben falscher Ernährung können auch chronische Erkrankungen und Alkoholismus einen Folsäuremangel verursachen.

Was ist Folsäure bzw. Folat?

Bevor wir weiter auf die Bedeutung und Erklärung eingehen, räumen wir kurz die Begrifflichkeiten auf. Folsäure und Folat unterscheiden sich in ihrem Ursprung:

  1. Folat gehört zu den wasserlöslichen B-Vitaminen und ist natürlichen Ursprungs. Es ist in verschiedenen Früchten und Gemüsesorten, wie z.B. Spinat, Brokkoli, Kohl, Pilzen und Spargel.
  2. Folsäure bezeichnet die synthetische Form des Vitamins, welches als solches in der Natur nicht existiert. Der Körper kann es nicht selbst bilden. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen.

Der Körper wandelt sowohl Folsäure als auch Folat auf die gleiche Weise um. Folat ist für den Körper jedoch nicht ganz so gut verwertbar und wird beim Kochen leichter zerstört. Folsäure in Form von Nahrungsergänzungsmitteln kann der Körper nahezu vollständig verwerten.

Folsäure bei Kinderwunsch bzw. Schwangerschaft

Jede Frau mit Kinderwunsch und in der Schwangerschaft sollte auf eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Vitaminzufuhr achten. Das Vitamin spielt für den Körper eine essentielle Rolle, da es bei allen Wachstums- und Entwicklungsprozessen, also bei der Entstehung neuer Zellen und bei der Zellteilung mitwirkt. Es ist ebenso wichtig für die Blutbildung und den DNA-Aufbau. Daher ist es besonders wichtig in der Schwangerschaft. Die Zusammenhänge sind einleuchtend: Eine korrekte Zellteilung und ein vollständiger Zellaufbau werden maßgeblich durch die Folsäure mitbestimmt. Der kleinste Fehler in der Wiedergabe der Chromosomen bei der Zellteilung kann sich auf die Gesundheit des Kindes auswirken.

Das Ungeborene benötigt das Vitamin damit sich das Neuralrohr, aus der sich das Nervensystem des Kindes entwickelt, richtig schließt. Das passiert in den ersten vier Wochen der Schwangerschaft. Kommt es in der ersten Zeit zu einem Folsäuremangel kann dies zu Fehlbildungen (Neuralrohrdefekten) beim Kind führen. Die Einnahme sollte daher mindestens in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft fortgesetzt werden. Um einen Folsäuremangel präventiv vorzubeugen, sollten Frauen daher schon frühzeitig beim Kinderwunsch mit der Einnahme von Folsäure beginnen.

Zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung empfehlen Ärzte für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch eine Ergänzung in Tablettenform. Am besten sprichst Du hier mit deinem Arzt welche Dosis für Dich persönlich ausreichend ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt: “Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 µg synthetische Folsäure pro Tag in Form eines Präparats einnehmen, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen.”

Folsäure für die Spermienqualität des Mannes

Folsäure macht bei Frauen und Männern keinen Unterschied und hat ebenso einen positiven Effekt auf die Zeugungsfähigkeit des Mannes. Dabei fördert es eine gesunde Anzahl, Konzentration, Beschaffenheit und Beweglichkeit der Spermien. Forschungsergebnissen von Young et al. (2008) zufolge kann sogar die Gefahr von Gendefekten in Spermien durch die zusätzliche Einnahme von Folsäure-Ergänzungsmitteln verringert werden.

Um herauszufinden wie das Vitamin auf die männliche Fruchtbarkeit wirkt, wurde die Spermienqualität von 89 gesunden Nichtrauchern im Zusammenhang mit der Einnahme von Folsäure untersucht . Dabei zeigte sich, dass Männer, die täglich zwischen 770 μg und 1150 μg Folsäure über Nahrung und Nahrungsergänzungsmittel konsumierten, im Vergleich zu Männern mit einer Aufnahmemenge unter 330 μg um 20 % weniger genom geschädigte Spermien aufwiesen. Um die Spermienqualität durch Folat zu verbessern, sollten daher auch beim Mann mehr grünes Gemüse, Obst, Vollkornbrot und pflanzliche Öle auf dem täglichen Ernährungsplan stehen.3

Was ist der Tagesbedarf?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 4 empfiehlt die folgende Tageszufuhr an Folsäure:

  • Für Kinder und Erwachsene ab 13 Jahren: 300 Mikrogramm
  • Schwangere Frauen: 550 Mikrogramm
  • Frauen, die stillen: 450 Mikrogramm.

Eine zu hohe Menge an Folsäure aus angereicherten Lebensmitteln oder Vitaminpräparaten kann im Gegensatz zu einer hohen Menge von Folat schädlich sein. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erlässt für Erwachsene eine Obergrenze an 1000 µg Folsäure pro Tag.

Einen täglichen Bedarf von 300 Mikrogramm des Vitamins deckst Du zum Beispiel, indem Du regelmäßig grünes Blattgemüse wie Spinat und Salate, Tomaten, Paprika, Vollkornprodukte, oder Nüsse isst. Die bunte Mischung ist dafür eine gute Basis.

Welche Lebensmittel enthalten Folsäure?

  • Gemüse: Salat, Tomaten, Spargel, Kohl
  • Hülsenfrüchte: Sojabohnen, Erbsen, Nüsse, Kichererbsen
  • Weizenkleie und Vollkornprodukte
  • Eigelb und Leber
  • Ente, Huhn, Kalb, Pute, Rind

Zusammenfassung: Was heißt das für mich?

Ein Mangel am Vitamin schädigt das Blut, die Zellen und die Entwicklung der DNA. Daher sind die Symptome bei einem Folsäuremangel sehr vielfältig, was auch die Diagnose durch Ärzte erschwert. Eine bewusste und ausgewogene Ernährung sowie ein gesunder Lebensstil sind ein erster wichtiger Schritt.

Sobald Du dich mit einem konkreten Kinderwunsch beschäftigst oder mit dem Thema Unfruchtbarkeit, egal ob Mann oder Frau, solltest Du mit deinem Arzt über die Einnahme der Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel sprechen und eine Supplementierung in Erwägung ziehen.

Quellen:

1.  Chiu, Y. H., Chavarro, J. E., & Souter, I. (2018). Diet and female fertility: doctor, what should I eat?. Fertility and sterility, 110(4), 560-569.

2. Max Rubner-Institut. (2008). Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2.

3. Young, S. S., Eskenazi, B., Marchetti, F. M., Block, G., & Wyrobek, A. J. (2008). The association of folate, zinc and antioxidant intake with sperm aneuploidy in healthy non-smoking men. Human reproduction, 23(5), 1014-1022.

4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2020). Referenzwerte für Folat.